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Ich werde am 15. November 2020 dem Bau der Westrandbrücke nicht zustimmen, um eine zukunftssichere urbane Entwicklung der Stadt Remseck zu ermöglichen.


Hintergrund:

Über verschiedene Kanäle wird versucht, den Bau der Westrandbrücke als unbedingt erforderlich („alternativlos“) darzustellen und dem Remsecker Bürger ausschließlich positive Aussichten in den Raum zu stellen.

u.a.:

- kaum mehr Verkehr

- weniger Lärm, ggf. besserer Lärmschutz

Dem ist nicht so!

Besonders fragwürdig ist die Aussage auf Seite 7 der Informationsbroschüre:

„…. Es ist unseriös, jetzt schon konkrete Kosten der Westrandstraße oder einen konkreten Zeitplan zu nennen…“

Diese Vorgehensweise ist weder professionell noch zielführend. Bei jedem Projekt muss eine Kostenbetrachtung, Wirtschaftlichkeitsrechnung / Armortisationsrechnung grundsätzlich durchgeführt werden. Nur auf dieser Basis ist eine sichere Entscheidung für den Projektforschritt möglich. Offensichtlich gibt es hier Schwierigkeiten seitens des OB die zu erwartenden sehr hohen Kosten und damit in der Zukunft resultierenden finanziellen Belastungen für die Remsecker Bürger zu vermitteln.

Es bestehen viele offene Fragen, welche die Sinnhaftigkeit des Projektes weiter in Frage stellen:


1. Warum wurden im Vergleich der dargestellten Planvarianten ausschließlich der Verkehr (PKW, LKW etc.) betrachtet?


2. Wäre es nicht sinnvoll, eine Anbindung der Straßenbahn (Querung des Neckars) für die Gebiete der Neuen Mitte besonders auf der Südseite mit in die Planung einzubeziehen?


3. Warum ist in keiner der betrachteten Ausführungsvarianten die im Bebauungsplan 2015 der Stadt Remseck vorgesehene Variante (Tunnel + Brücke) berücksichtigt worden?


4. Warum wurde der vor Jahren entstandene Plan / Gutachten der sogenannten Billinger Brücke nicht berücksichtigt?

Die Billinger Brücke hätte den Vorteil, dass die Straßenführung mit einem größeren Abstand zu den Wohngebieten durchgeführt werden kann:

Bei einer späteren denkbaren flächenmäßigen Erweiterung der neuen „Mitte“ würde die Westrandbrücke die Stadt nicht wieder erneut teilen.


5. Entsprechend dem vorgestellten Lärmschutzgutachten sind erhebliche Schallschutzmaßnahmen u.a. Lärmschutzwände erforderlich. In keiner der Darstellungen Fotos, Ansichten sind Lärmschutzwände etc. dargestellt.

Fragestellung: Soll hier eine entgegen der späteren Ausführung eine schönere Aussicht suggeriert werden?


6. Entsprechend dem Lärmgutachten (siehe Anlage 10, Dr. Dröscher vom Mai 2020) ist die vorgestellte Bebauung im 2. und 3. Bauabschnitt nicht durchführbar (siehe orange Flächen):

Auszug aus der Anlage 10 des Lärmgutachtens:

„…. Weiterhin sind aktive Schallschutzmaßnahmen wie Schallschutzwände aufgrund fehlender Aufstellflächen (Kreuzungsbereich) mutmaßlich ebenfalls nicht geeignet, um die geplante Wohnbebauung zu schützen. ….“

Warum wurde die vorgestellte Bebauung nicht entsprechend dem Lärmgutachten überarbeitet?


7. Die dargestellten Ausführungsvarianten wurden ausschließlich hinsichtlich der verkehrstechnischen Eigenschaften qualitativ genau beurteilt.


8. Es ist durchaus „Seriös“ bei den Planungen die möglichen Kosten zumindest in ihrer Größenordnung abzuschätzen. Ansonsten werden wieder Steuergelder in erheblicher Höhe vernichtet. Es ist unerheblich wie die Kostenteilung zwischen Land und Stadt erfolgen soll.

Die in der Informationsbroschüre unter Pkt. 2 dargestellte Refinanzierung der Kosten durch die Neubauflächen ist in Frage zu stellen, zumal auf der Südseite mit erheblichen zusätzlichen Kosten für den Hochwasserschutz zu rechnen ist.

Offen:

  • Bewertung des Aufwandes, der Kosten der betrachteten Varianten.
  • Abschätzung des zu erwartende Flächenverbrauchs.
  • Berücksichtigung der Vor- und Nachteile aus ökologischer Sicht (erhöhte CO2 Emissionen durch Umfahrung)
  • Beurteilung der Hochwassersituation

9. Ökologie und Umweltschutz

Zur Umfahrung der Neuen Mitte über die geplante Westrandbrücke wird mehr Fahrweg benötigt. Auch wenn dieser nach einer ersten Betrachtung recht kurz erscheint, kommt über die Zeit „einiges“ zusammen:

Beispielrechnung auf Basis 0,5 km und täglich 40.000 Fahrzeuge

= 0,5 km * 40.000 = 20.000 km täglich = 20.000 km bei 8l/100 km Verbrauch (PKW + LKW) = + 1.600l Kraftstoff täglich = + 584.000 l Kraftstoff jährlich

= im Jahr +1.354 t CO2 im Jahr (bei Benzin) im Bereich Remseck


10. Thema Lärmreduktion

Es wurde vom OB mehrfach dargestellt, dass durch die Neuplanung erweiterte Schallschutzmaßnahmen eingefordert werden können.

Ob die dargestellten Schallschutzfenster der richtige Weg sind ist fraglich. Zur Lebensqualität gehört es, dass man in den immer heißeren Sommern bei geöffneten Fenstern schlafen kann. Dies scheint zumindest nach meinen Erfahrungen nicht vereinbar mit den vorgeschlagenen Lärmschutz-maßnahmen zu sein.

Die in den Gutachten dargestellten Lärmmodelle wurden aufgrund der in der (den) Verordnung(en) vorgegebenen physikalischen Rechenverfahren erarbeitet. Eine Betrachtung, Vergleich mit der vorliegenden Lärmsituation, z.B. durch reale Messungen erfolgte an keiner Stelle. Diese Aussagen des OB’s muss ich an dieser Stelle in Frage stellen.

Hinweise: Der entstehende Lärm ist stark abhängig von der Anzahl der fahrenden Fahrzeuge, deren Geschwindigkeiten und dem Mix der Fahrzeuge (ein LKW emittiert ca. 20x mehr Lärm als ein PKW).


11. Risiko der Überflutung

Für den Bau der Neuen Mitte auf der Hechtkopfseite / Südseite sind erhebliche Maßnahmen für den Hochwasserschutz (z.B. Dämme) erforderlich. Entsprechend der durchgeführten Simulationsrechnungen ist eine Überflutung in diesem Bereich (beim Bruch eines Dammes) möglich (siehe Anlage 3).

Eine Betrachtung, Planung und Kostenbewertung der erforderlichen Schutzmaßnahmen gegen eine Überflutung sind in keiner der Ausführungen zu finden.

Es stellt sich für mich die Frage, warum derartige Hochwasserrisiken bei der Bebauung eingegangen werden sollen. An vielen Orten werden wieder gezielt bewusst Überflutungsflächen geschaffen, um weiteren klimatischen Veränderungen ausreichend Rechnung zu tragen.


12. Aufgrund der täglich vorliegenden Staulage in Remseck mit vielen Kennzeichen aus anderen Landkreisen (z.B. WN, BK) stellt sich die Frage, ob der Alleingang der Gemeinde Remseck überhaupt zielführend ist oder nicht zumindest gemeindeübergreifend (Ostumfahrung) abzustimmen wäre.


Fazit (aus meiner persönlichen Sicht):

  • Die von der Stadt vorliegende Planung für die Westrandbrücke wurde sehr ungenau und einseitig durchgeführt.
  • Die Bewertung vieler weiterer relevanter Entscheidungsfaktoren (u.a. erwartete Kosten, Ökologie) wurde nicht durchgeführt.
  • Bei Umsetzung der Westrandbrücke entsteht ein erheblicher Flächenverbrauch. Diese Flächen gehen für eine zukünftige Weiterentwicklung der Stadt verloren.
  • Die infolge Corona verstärkt einsetzende Werteänderung in unserer Welt wurde an keiner Stelle berücksichtigt.
  • Die in den Verkehrsgutachten dargestellten Annahmen beruhen auf einem veralteten Modell.
  • Eine Betrachtung der sich in der Zukunft stark verändernde Mobilität und deren Volatilität (z.B. durch eine stärkere dynamische digitale Verkehrsführung, autonomes Fahren) erfolgte nicht.
  • Eine Einbindung des ÖPNV (z.B. Querung der Straßenbahn über die Brücke) zur Weiterentwicklung der anderen Stadtgebiete wurde an keiner Stelle berücksichtigt.

  • Folge: Ablehnung der Westrandbrücke nach der vorgestellten Planung
  • Dringende Empfehlung an den OB das Planungsverfahren in Ergänzung der fehlen Aspekte (Zukunft, Umwelt, Ökologie, Kosten, Flächenverbrauch, ÖPNV Straßenbahn usw.) neu aufzugreifen und in Zusammenarbeit mit den umliegenden Städten, dem Land hinsichtlich der zu erwartenden Effekte (Nutzen, Ökologie, Kosten) umfassender zu bewerten und zu planen *

Peter Dettlaff

Dipl. Ing. (TU)


Anlagen:

Anlage 1: Variante „Tunnel + Brücke“

Quelle: Flächennutzungsplan 2015 der Gemeinde Remseck


Anlage 2:

Quelle: Anlage 10 aus Lärmschutzgutachten und Darstellung Broschüre der Stadt Remseck

(fehlende Aufstellflächen für Schallschutzwände = geplante Bebauung nicht schützbar)


Anlage 3: Mögliche Überflutung der Südseite bei einem Hochwasser

Quelle:

https://remseck.freiewaehler.de/2003/06/25/kunftige-neue-mitte-remsecks-ist-nicht-hochwassergefahrdet/


Anlage 4: Plan Billinger Brücke

Quelle:

http://landschaftsschutz.org/Alternativen/Alternativen.html

home/westrandbruecke.txt · Zuletzt geändert: 2020/10/10 13:04 von peter
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